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Aloha - heja he ...
... singt Achim Reichel. "...wenn Du mich fragst, wo es am schönsten war, sag ich Zanzibar".

Das Lied kam mir (Reinhard Paulsen) sofort ins Gedächtnis, als ich die Gelegenheit erhielt, mit einer Senatsdelegation nach Dar es Salaam und Zanzibar zu reisen.

Und - wie wars? Achim Reichel hat Recht! Es war eine Reise in ein sehr schönes Land.

Und wo liegt es eigentlich?

Dar es Salaam ist die bedeutendste Kapitole von Tanzania, dem großen Staat in Ostafrika und Zanzibar liegt direkt vor der Küste im Indischen Ozean.

Zwischen der einstigen Kolonie "Deutsch-Ostafrika" und seiner ehemaligen Hauptstadt und Hamburg gibt es lange partnerschaftliche Beziehungen, die von vielen Kirchenkreisen, Vereinen, Schulen und anderen Einrichtungen getragen werden.
Und so gehörten zur Delegation auch neben der Zweiten Bürgermeisterin, Frau Schnieber-Jastram, und dem Staatsrat Stuth auch Vertreter verschiedenster Hamburger Initiativen und Institutionen. Stadtreinigung und Hafenwirtschaft, Behinderteneinrichtungen und Entwicklungshilfeorganisationen, dazu kam dann noch die Jugendfeuerwehr.
Genauso vielfältig wurde das Programm, das trotz aller Fülle einen großen Überblick über die Stadt und ihre Aktivitäten zeigte.
Zwei Tage vorher und drei Tage danach dienten für mich einem vertieften Kennenlernen der Feuerwehr und der Stadt.

Die Stadt Dar es Salaam umfasst circa 1.350 qkm mit einer Bevölkerung von ungefähr drei Millionen Bewohnern. Ein bedeutender Hafen sichert die überseeischen Verbindungen bis tief in das Innere des Kontinentes.
Die Stadt ist sehr lebhaft, die Straßen sind im Berufsverkehr dicht bevölkert von vielen Fahrzeugen, neuen Geländewagen aber auch sehr gebrauchten "Dalla Dallas", so heißen die Kleinbusse, in denen eine ungeahnte Anzahl von Fahrgästen "Platz finden".
Auch ich habe solch eine Fahrt einmal mitgemacht.

Es gibt in Dar es Salaam sechs verschiedene Feuerwehren.

Der Internationale Flughafen in Dar, wie die Stadt zumeist nur genannt wird, verfügt natürlich über eine eigene Feuerwehr nach den IATA Vorgaben. Genauso gibt es im großen Hafen ebenfalls eine eigene Feuerwehr, die internationalen Ansprüchen genügt.
Leider konnte ich diese Einrichtungen nicht besuchen, da sie mit der städtischen Feuerwehr nur wenig Verbindung halten.
Über die drei privaten Feuerwehren werde ich später mehr erzählen.

Die eigentliche staatliche Feuerwehr wurde während der britischen Kolonialzeit im Jahre 1953 als eine Abteilung der Polizei gegründet. Heute ist sie Teil der Stadtverwaltung und gehört zu der Abteilung Utilities, wie auch z.B. die Stadtreinigung.
Zur Zeit besitzt die städtische Feuerwehr in Dar immer noch nur diese eine Feuerwache. Es existiert zwar der Neubau einer zweiten Wache auf einer Brache in Flughafennähe, aber das Gelände ist noch nicht an das bestehende Straßennetz angeschlossen, der Zubringer soll demnächst gebaut werden.

Die Feuerwache liegt im Zentrum der Stadt. Unter Leitung von Superintendent Fikiri S. Salla. arbeiten acht Feuerwehroffiziere und circa siebzig Feuerwehrmänner im Dreischichten-System von 07.00 - 13.00, von 13.00 - 19.00 und von 19.00 - 07.00 Uhr. Am Sonntag erfolgt jeweils ein Wechsel der Wachtouren.
Die Feuerwehr besteht aus drei Abteilungen. Neben dem "Einsatzdienst" gehören die Abteilungen "Training" und "Vorbeugender Brandschutz" dazu.
Die Bezahlung ist landestypisch. Die Offiziere erhalten je nach Dienstgrad zwischen 150.000 ? 250.000 Tsh (tansanische Shilling), umgerechnet zwischen 110,-- 180,- EUR/Monat. Der Verdienst der Feuerwehrmänner beträgt ca. 80 000 Tsh, umgerechnet knapp 58,- EUR/Monat.
Dazu erhält jeder Mann noch 25.000 Tsh/Monat (18,- EUR) Verpflegungspauschale.
Feuerwehrmann ist in Tansania keine Familientradition, wie z.B. in Deutschland oder auch in den USA. Trotzdem ist die Fluktuation gering.

Die Alarmierung erfolgt auf unterschiedliche Weise: Direktanruf der Bürger über Telefon in der Wache, Hilfeanruf bei der Polizei (112), diese ruft dann in der Feuerwache an oder informiert bei einem Telefonausfall einen eigenen Beamten in der Nähe der Wache über dessen Handfunkgerät. Dieser läuft dann in die Station und übermittelt den Notruf mündlich.
Es kommen auch Passanten zu Fuß oder mit dem Pkw zur Feuerwache und melden direkt.

Die feuerwehrtechnische Ausstattung der Feuerwache ist recht gut. So stehen mehrere sehr gut geeignete Einsatzfahrzeuge mit großen Löschwassertanks zur Verfügung:
Spitzenfahrzeug ist ein neues TLF von Ziegler auf Mercedes Benz Actros mit 16000 l Wasser, 1000 l Schaum, einigen Schläuchen und technischen Geräten. Gefolgt vom ebenfalls neuen Skylift Bronto F 54 aus Finland, auch auf Mercedes Benz Actros, mit eigener Feuerlöschpumpe und 2000 l Wassertank. Sehr viel älter sind die drei Tanklöschfahrzeugen mit 8000l bzw. 5000l Wasser auf Scania 93 M.

Die 15 Jahre alten Löschfahrzeuge weisen inzwischen altersbedingt deutliche Gebrauchsspuren auf und wurden teilweise nur sehr behelfsmäßig repariert.
Ein normaler Landrover Defender 110, in dem hinten eine Trage und ein großer Verbandskasten verlastet sind, wird als Ambulanz benutzt.

Auch für die Kommunikation ist gesorgt. Über ein Relais auf einem Hochhaus gibt es einen Einsatzkanal im 2m -Band. Die Feuerwehr verfügt über 4 Fahrzeug- und zwei Handfunkgeräte neben dem Stationsgerät in der Wache.

Die Ausstattung im Bereich Atemschutz, Technischer Hilfe oder Gefahrguteinsatz ist dagegen nur gering. Die vorhandenen britischen Atemschutzgeräte sind nicht mehr einsatzbereit und auch einige der wenigen Geräte für Technische Hilfe sind defekt und können mangels einer guten Werkstatt für Feuerwehrgerät nicht repariert werden.
Für den Gefahrguteinsatz steht praktisch keine Ausstattung zur Verfügung, ähnlich ist es für den Rettungsdiensteinsatz.

Die Infrastruktur der Stadt macht es der Feuerwehr nicht leicht. In der Vergangenheit erfolgte das Wachstum der Stadt und der Region weitgehend ungeplant. Viele Häuser wurden ohne irgendeine Genehmigung, ohne eine Stadtplanung wild auf besetztem Staatsland gebaut.

Das Straßennetz ist aufgrund fehlender Planung in der Vergangenheit sehr ungenügend. Durch fehlende Hauptverkehrsstraßen, die insbesondere den Fernverkehr ableiten könnten, kommt es zur Rush-hour immer wieder zu Staus, die natürlich auch die Mobilität der Einsatzkräfte beeinträchtigen. Kommen dann Anfahrten von 30 - 40 km dazu, kann man sich ein Bild von der Situation machen.

Das Leitungswassernetz ist sehr problematisch. Offiziell verfügt die Stadt über 1.280 Hydranten, aber nur 70 davon liefern wirklich noch Wasser, und dann nur gelegentlich. Der Wasserdruck betrug in guten Zeiten 3 bis 4 Bar. Heute ergeben die Leitungen mit Glück noch 1 bis 2 Bar, wenn überhaupt etwas kommt.

Viele Häuser verfügen über große Kunststoffwassertanks auf den Dächern, die bei bestehendem Wasserdruck gefüllt werden. Das Löschwasser muss aber immer mitgebracht werden.

Die Feuerwehr wird sowohl von der Stadt, als auch von der Zentralregierung finanziert.
Diese hat gerade die beiden Neufahrzeuge beschafft und trägt auch die Kosten von zwei weitereren Tanklöschfahrzeugen mit jeweils 8.000 l Löschwasser auf Mercedes Benz Atego, die demnächst ausgeliefert werden sollen.
Es fehlen aber ausreichende Mittel für Fahrzeug- und Gerätereparaturen.
Bedarf besteht auch im Ausbildungsbereich in verschiedenen Bereichen von Brandschutz, Führung, Rettungsdienst, Gefahrguteinsatz und Technischer Hilfe.

Bei dem großen Aufgabenspektrum und solch kleiner Feuerwehr muss jedem klar sein, das diese nicht der Aufgabe Herr werden kann. Es besteht ein großes Definzit im Sicherheitsbereich, nicht nur bei der Feuerwehr, auch beim Rettungsdienst und der Polizei.

"Private Companies" füllen diese Lücke, die der Staat dort gelassen hat.
Sie bieten für zahlungskräftige Kundschaft Rundumpakete im Sicherheitsbereich: Wachdienst, Rettungsdienst und Brandschutzdienst.
Uniformierte Askaris bewachen Firmen, Krankenhäuser und Hotels, Ambulanzen leisten Rettungsdienst und überall im Stadtgebiet stehen private Tanklöschfahrzeuge mit einer trainierten Mannschaft am Straßenrand in Bereitschaft.
Im Brandfalle leisten sie ihren Kunden rasch Löschhilfe. Bittet ein Nichtkunde um diese Dienstleistung, so muss er vor Löschbeginn einen Vertrag unterschreiben. Die Kostenforderungen betragen nach Aussage von Superintendent Salla bis zu 5. Mio Tsh pro eingesetztem Einsatzfahrzeug, für den Privatmann unbezahlbar. Unterschreibt er nicht, wird auch nicht gelöscht, die ?Privat-Feuerwehr? rückt unverrichteter Dinge wieder ab.

Die "Security Groups" betreiben "Rosinenpicken". Firmen und Großkunden sichern auf diese Weise ihr Sicherheitsrisiko ab, die nicht so zahlungskräftigen Bürger bleiben schutzlos und können hier keine Hilfe erwarten.

Knight Support ist Marktführer und steht unter südafrikanischer Leitung. Seine technische Ausstattung Brandschutz besteht aus ca. 10 Löschfahrzeugen, zumeist britischen Tanklöschfahrzeugen TLF 16/25 auf Mercedes Benz oder Dennis. Die Fahrzeuge verfügen über Löschwassertanks von 2000 bis 2500 l und können sowohl mit Normaldruck (8 bar) oder Hochdruck (35 Bar) arbeiten.

Niedrige Schlauchquerschnitte in Kombination mit Hochdruck und effizienten Strahlrohren sorgen für eine effektive Ausnutzung des Löschwassers. Bei Einsätzen wird zusätzliches Löschwasser von privaten Wasserverkäufern zugekauft, vermutlich 30.000 Tsh für 8000 l Trinkwasser. Die Besatzung besteht aus einer Staffel: ein Gruppenführer, fünf Mann.

Ultimat Security verfügt ebenfalls über 3 TLF 16/25 auf Dennis sowie einen eigenen Tankwagen.
Der dritte Anbieter, Security Group kann zwei ehemalige Flughafen-Löschfahrzeuge mit je 5.000 l Löschwasser zum Einsatz bringen.

Text & Fotos:
Reinhard Paulsen

 Blick von Stone Town auf Zansibar auf das Meer 
 Sonnenuntergang in Tansania 
 Karimjee Hall, Parlamentsgebäude von Dar es Salaam 
 Bürgermeisterin Schnieber-Jastram trägt sich ins Buch bei Superintendent Salla 
 Fischerboote am Fischmarkt in Dar 
 Die neue Feuerwache von Dar 
 Feuerwehrleute vor einer Übung bei Fire and Rescue Services in Dar es Salaam 
 Scania TLF mit 8.000 l Löschwassertank bei Fire and Rescue Services in Dar es Salaam 
 Bronto Skylift auf MB Actros bei Fire and Rescue Services in Dar es Salaam 
 Einsatzfahrzeug von Ultimate Security in Bereitschaft 
 Die Besatzung eines Ultimate-TLFs 
 Eine hydrauliche Schere mit Handbetrieb auf einem TLF von Ultimate Security 
 Schnellangriffs-Einrichtung bei einem Ultimate-TLF 
 Pumpenraum bei einem Ultimate-TLF 
 Wassertank in einem Armutsgebiet 
 Kommandofahrzeug der Securitygroup 
 Ambulanz im Krankenhaus von Dar es Salaam 
 Flughafenlöschfahrzeuge auf Durchreise nach Mosambique 
 Ein ehemaliges Flughafenlöschfahrzeug der Securitygroup am Straßenrand in Bereitschaft 
 
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